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Pfeifen im Lorbeerwald: Hippies und Wanderer sind willkommen auf La Gomera

b-klefisch
26. Juli
3 Min. Lesezeit
Wanderung im typischen Lorbeerwald von La Gomra, Passatwinde halten ihn in großer Höhe feucht. Foto: (c) Wolfgang Schumacher
Wanderung im typischen Lorbeerwald von La Gomra, Passatwinde halten ihn in großer Höhe feucht. Foto: (c) Wolfgang Schumacher

Heute noch gibt es sie auf La Gomera, der zweitkleinsten der acht spanischen Kanareninseln. Dort leben sie wie damals in den Tag hinein, die ausgeflippten Abenteurer mit ihren Bongos zwischen den Knien und einer Gitarre unter dem Arm, mit der sie abends an den Stränden und in der Hafenkneipe von Vueltas so richtig Stimmung machen.   


Inzwischen sind sie älter geworden, bleiben aber definitiv jugendlich gekleidet. Dabei schreiten die Damen in wallende Kleider gehüllt und umhüllt von einer Wolke von schwerem Patschuli-Duft über die Ladenstraße des Hafenstädtchens, verschwinden ab und an in ihren Töpferstuben, um dort Nachschub für die Marktstände zu holen. Töpfern, Schmuckherstellung und die Käserei von exotischen Sorten sorgen oftmals für ein Zubrot der ausgewanderte Lebenskünstler und stellen das typische Flair im Valle Gran Rey her, das jetzt bereits über mehr als vier Jahrzehnte.  


Das „Valle“, wie es alle nennen, ist das größte der zahlreichen von der Spitze des höchsten Zentralbergers der Insel, dem 1.487 Meter hohen Garajonay nach unten zum Atlantik abfallenden Vulkantälern, ist nach wie vor legendär. Sowohl für die einst mittellosen Hippies wie für reiche Amis, die der Trump-Ära entfliehen wollen, bietet die Insel wenige Kilometer vor der Küste Westafrikas alles, was ein moderner reisender sich so wünschen mag.


Gut situierte Golfer beispielsweise können im malerisch auf einer Atlantikklippe gelegenen Golfresort Hotel Gardin Tecina ihren Urlaub buchen und von dort auf die inzwischen gar nicht mehr so mittellosen Hippies im Valle herabschauen. Jene waren zumeist als blutjunge  Blumenkinder in den 1980ern ins königliche „Valle“ gepilgert, dem Sehnsuchtsort des freien und zwanglosen Lebens, nach denen sich die Töchter und Söhne – allerdings zumeist aus gutem Hause stammend - sehnten.


Der Inselcharakter aber insgesamt mit dem stetig von der Feuchtigkeit der Passatwinde gewässerten urtümlichen Lorbeerwald ist dort auf dem zentralen Berggipfel La Gomeras urtümlich und genau das, was die vielen Wanderer von überall her suchen und schätzen. Denn die vielen Wanderwege (es gibt detaillierte Karten für Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, das Gleiche gilt für Fahrradstrecken) durch die zahllosen Berghänge der Insel münden bergauf alle im Nationalpark Garajonay, 4.000 Hektar groß und rund um die etwa 1400 Meter hohe Inselspitze verlaufend, inzwischen gut ausgebaute Landstraßen ermöglichen eine leichte Erreichbarkeit mir dem Auto.

Ein Muss ist das sorgfältig gestaltete Informations- und Besucherzentrum des Parks in Juego de Bolas. Hier empfiehlt es sich mit dem Wagen hinzufahren und sich vorab über Routen und die ökologische Bedeutung des Areals zu informieren, um dann mit Rucksack und Wanderstock einzelne der unzähligen Wanderwege durch Täler, Schluchten  und malerische Kleinode wie die  Örtchen  Alajeró und Hermigua zu erkunden.

Kellerei Altos de Chipude in Vallehermoso: Blick auf die Behältnisse, Gloria Negrin und Jagier De Tena bieten dort Weinverköstigungen bei Käse und Schinken an. Foto: (c) Wolfgang Schumacher
Kellerei Altos de Chipude in Vallehermoso: Blick auf die Behältnisse, Gloria Negrin und Jagier De Tena bieten dort Weinverköstigungen bei Käse und Schinken an. Foto: (c) Wolfgang Schumacher

Wer Rast machen und gleichzeitig einen originär gomerischen Wein verkosten möchte, sollte in der Bodega Altos de Chipude in Vallehermoso haltmachen. Hier führt Gloria Negrin das Zepter, bewirtschaftet mit Javier De Tena eine Reihe von Weinbergen in der nahen Umgebung – und freut sich natürlich über Gäste, die ihren roten La Montaña bei Käse und Schinken probieren möchten.


Die schluchtenreiche Topographie der auch noch heute in Zeiten des Massentourismus eher als abgelegen zu bezeichnenden Insel La Gomera zwingt immer wieder zu Auf- und auch Abstiegen, die an den Kräften zehren, das sollten Wanderinnen und Wanderer keinesfalls unterschätzen.


Das galt auch für die Gomeros und sie behalfen sich als Mittel der drahtlosen Kommunikation über die weiten Schluchten hinweg mit einer heute dem Weltkulturerbe zuzurechnenden Pfeifsprache mit Namen „El Silbo Gomero“. Sie wird heute wieder in einer Vielzahl von Vereinen wie der „Asociación Cultural Silbo Gomero“ gelehrt und ist sogar Unterrichtsfach in den Schulen, Silbo-Lehrer Edison Sierra (Foto) organisierte eine exklusive Demonstration auf dem Kirchplatz. 


Pfeifen im Wald? Die Gomeros unterhalten sich in ihrer Pfeifsprache "Silbo" über die Talschluchten hinweg, in der Mitte Pfeif-Lehrer Edison Sierra. Foto: (c) Wolfgang Schumacher
Pfeifen im Wald? Die Gomeros unterhalten sich in ihrer Pfeifsprache "Silbo" über die Talschluchten hinweg, in der Mitte Pfeif-Lehrer Edison Sierra. Foto: (c) Wolfgang Schumacher

In der Tat ist und war Silbo sehr nützlich, in den Bergen ist es absolut einsam und im silbern schillernden Lorbeerwald mag es bei einiger Phantasie fast so erscheinen, als ob die Zeit stehen geblieben ist und ein Gomero aus dem Stammesgebiet etwa der Mulagua von der Bergspitze aus dem im September 1492 nach Westen in Richtung Amerika davon segelnden Kolumbus auf der Santa Maria hinterher schaut.


Natürlich gibt es viele Erinnerungsorte an den berühmten Entdecker, sie heißen „Monomentos Colombinos“ und konzentrieren sich in der Hafenstadt San Sebastian im Stadtzentrum. Beginnen sollte man mit der sehenswerten Kirche „Nuestra Senora de la Asunción“, die seit der Entdeckerzeit – damals als bescheidene Kapelle – den katholischen Weltenfahrern geistlichen Zuspruch mit auf die Reise gab.


Autor: Wolfgang Schumacher

 

Die Reise wurde organisiert vom spanischen Verkehrsamt München (Turespaña), Postfach 15 19 40,  80051 München,www.spain.info, Tel. 0049-89-530746-0.


Flüge nach Teneriffa-Süd, Reina Sofia, Fähre (Anbieter Fred Olsen) ab Los Cristianos nach San Sebastián)

 
 
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